„Das Monokel“: Bericht zur Gesprächsrunde zum Ukraine Konflikt

Rund sechs Wochen nach dem Überfall Russlands fand am 7. April 2022 in der Aula eine Gesprächsrunde zum Krieg in der Ukraine statt. Im Vorfeld konnten alle Schüler*innen ihre Fragen rund um den Konflikt einsenden, diese wurden dann von der Schüler*innenvertretung, der Politik AG und der Schulzeitung AG gesammelt und als Katalog vorbereitet, um sie schließlich den geladenen Gästen zu stellen.

Erster Experte war Herr Gerald Miebs, Schulleiter der Deutschen Schule Kiew, desweiteren Herr Dr. Andreas Ludwig vom Lehrstuhl Politikwissenshaften der KU Eichstätt-Ingolstadt sowie David Matei, Jugendoffizier der Bundeswehr. Einleitende Grußworte sprach Frau Gerhild Steinhauer von der Deutschen Botschaft Lissabon. So wurde ein breites Spektrum an Perspektiven auf den Krieg auf alle Smartboards in den Klassenräumen übertragen.

 

Nach der Vorstellung der Gäste begann die Fragerunde mit Fragen von Schüler*innenn. Das erste Fragenbündel ging an den Schulleiter der Deutschen Schule Kiew, Herrn Miebs.

Er befand sich nicht mehr in Kiew, sondern in Berlin. Zu Kriegsbeginn waren Winter- bzw. Karnevalsferien, sodass sich der Schulleiter gerade in Kairo im Urlaub befand. Von dort aus wurde er direkt nach Berlin gebracht, während er alles, was er besitzt, in Kiew lassen musste.

Glücklicherweise waren auch viele Schüler*innen im Urlaub und konnten sich somit gleich in Sicherheit bringen, während viele, die sich noch in Kiew bzw. in der Ukraine befanden, gleich zu flüchten versuchten. Oft flohen die Familien mit Bussen an die Grenzen, wo sie stunden- oder tagelang warten mussten, um das Land zu verlassen. Herr Miebs sprach von „schlimmen Situationen“.

Außerdem erfuhr man, dass es für ein paar 18-jährige Schüler Schwierigkeiten gab, aus dem Land zu fliehen, da volljährige Männer zum Bekämpfen der russischen Armee verpflichtet sind. Zum Glück konnten sie das Land doch noch verlassen, mit den Argumenten, dass sie noch nicht einmal deren ABI absolviert hatten und dass es sowieso schon viele Freiwillige gab, die mitkämpfen wollten.

Auf die Frage, ob das Schulgebäude der DS Kiew beschädigt wurde, antwortete Herr Miebs, es sei bis jetzt noch unversehrt, jedoch wurde ein Einkaufszentrum ganz in der Nähe, welches auch oft von den Lehrern*innen und Schüler*innen besucht wurde, bombardiert. Was den Unterricht betrifft, würde dieser weiterhin online durchgeführt, auch wenn aus den gegebenen Gründen nur noch ca.  40% der Schüler*innen mitmachen können, auch wenn viele als Gastschüler*Innen in anderen Deutschen Schulen untergebracht wurden.

 

Herr Matei hielt als Jugendoffizier der deutschen Bundeswehr eine gut vorbereitete Präsentation, um die Ursachen des Konflikts anschaulich darzustellen. Er erläuterte, dass der russische Präsident Vladimir Putin den Zerfall der Sowjetunion am Anfang der 1990er Jahre als größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet hatte und deswegen Staaten, die ehemals der Sowjetunion angehörten, die staatliche Souveränität abspricht.

Aus der Perspektive der russischen Regierung habe die NATO außerdem ihr Versprechen gebrochen, sich nicht nach Osten zu erweitern. In den 2000er Jahren waren immer mehr Staaten aus Ost- und Mitteleuropa dem Militärbündnis beigetreten. Matei betonte, dass dieses Versprechen nicht schriftlich gegeben wurde. Bereits im Jahr 2014 hatten russische Streitkräfte Teile der Ukraine besetzt, vor allem die Krim-Halbinsel. Putin gab als weiteren Grund für den Angriff an, dass die ukrainische Regierung aus Nazis bestünde.

Die Frage, wie der Krieg weitergehen würde, könnte man nicht einfach beantworten. Zum Beispiel sei die Position Chinas noch nicht eindeutig. Zu einer direkten Kriegsbeteiligung Deutschlands bzw. der NATO könnte es kommen, wenn eines der Länder des Bündnisses angegriffen werde. Aufgrund des Artikels 5 der NATO-Vereinbarungen müssen dann die verbündeten Staaten militärische Unterstützung leisten.

 

Dr. Ludwig, ein deutscher Politikwissenschaftler und Dozent der Universität Eichstätt-Ingolstadt, äußerte sich als nächstes zu verschiedenen Fragestellungen und Sorgen.

Er hob hervor, dass die Außenpolitik Deutschlands gerade eine „Zeitenwende“ erlebe, wie es Bundeskanzler Olaf Scholz formuliert hatte. Dies lasse sich hauptsächlich durch die Waffenlieferungen, Sanktionen und dem Ende der Politischen Beziehungen mit Russland begründen.

Besonders interessierte ihn die veränderte Sicherheitspolitik von bisher neutralen Staaten wie beispielsweise die der Schweiz, Schweden und Finnland. Letztere wollen nun sogar der NATO beitreten.

In Bezug auf das Krieg führende Land erklärte Dr. Ludwig, dass Russland am 16. März aus dem Europarat ausgeschlossen wurde, aufgrund von Verstößen gegen Menschenrechte, Freiheitsrechte und Demokratie. Im Europarat sollen Themen wie der Schutz der Menschenrechte diskutiert werden und er ist nicht direkt mit der Europäischen Union verbunden, weswegen ihm einige Staaten angehören, die keine EU-Mitglieder sind.

Seiner Meinung nach liegen die Wurzeln des Kriegs in der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991Vladimir Putin und seine Bekanntschaften aus seiner Zeit im Geheimdienst wollen die damalige Macht Russlands wiederherstellen. Zu dieser Vision würden die Gebiete von Belarus und der Ukraine gehören.

Um den Krieg zu lösen, müsste man ihm die wirtschaftliche Basis entziehen, aber das Problem sei, dass Deutschland und viele andere europäische Länder auf russisches Gas angewiesen sind. Durch Diplomatie und Kommunikation würde es hoffentlich möglich sein, diesen zerstörerischen Krieg zu beenden.

 

Wir als Redaktion sind der Meinung, dass uns die Situation auf unkomplizierte Weise erklärt wurde und dass die eingeladenen Experten ihre Fachmeinung offen äußern konnten. 

Es war uns möglich, eine neue Sichtweise auf den Krieg zu gewinnen und selbst Stellung zur Situation zu nehmen. Natürlich ist uns bewusst, dass bestimmte Aspekte aufgrund ihrer kontroversen Natur nicht weiter diskutiert worden sind, dies ist verständlich, aber dennoch schade.  

Wir sind dankbar für die Möglichkeit, dass wir an dieser Fragerunde teilnehmen durften und fühlen uns danach viel informierter. Wir würden es willkommen heißen, wenn solche Events in der Zukunft öfters vorkommen würden.  

 

von: Redaktion „Das Monokel“

 

 


„Das Monokel“: Wer ist unsere Antirassismus-Beauftragte?

Es ist das 21. Jahrhundert und leider haben immer noch Millionen von Menschen mit Rassismus zu kämpfen. Sie werden diskriminiert und angegriffen aufgrund von bestimmten äußerlichen Merkmalen. Die neue deutsche Bundesregierung hat jetzt den ersten Schritt gemacht in eine Zukunft der Rassismusbekämpfung.

Reem Alabali-Radovan von der SPD ist Tochter irakischer Eltern und wurde vor Kurzem zur Antirassismus-Beauftragten des Bundestags berufen. Dieses Amt gab es zuvor nicht. Es wurde von SPD, FDP und den Grünen neu im Koalitionsvertrag vereinbart.

Die Politikerin hat trotz ihres jungen Alters bereits eine erstaunliche Karriere hinter sich, u.a. zog sie letztes Jahr mit einem Direktmandat in den Bundestag ein und war bis jetzt Staatsministerin für Integration.

Die Beauftragte hat vor, einen nationalen Aktionsplan gegen Rassismus einzuführen, der den Betroffenen von Rassismus Unterstützung und Zuflucht bieten wird.

Einige der Ideen, die in diesem Plan herausstechen, sind zum einem die Einrichtung eines Beratungszentrums und zum anderen die Bearbeitung sowie die Veröffentlichung von Projekten für Prävention, politische Bildung und Forschung.

Allgemein wird Alabali-Radovans Herangehensweise von ihren Kollegen gelobt und gepriesen. Bis jetzt wurde keinerlei Kritik an ihr geäußert.

Das Zitat, das am stärksten für die SPD-Politikerin spricht, ist: „Rassismus ist ein Verbrechen gegen die Menschheit“.

Diesem Zitat kann ich mich nur anschließen und eine Bitte an alle aussprechen, die diesen Artikel lesen: Informiert euch über Rassismus und habt den Mut, diejenigen anzusprechen, die die Ernsthaftigkeit der Lage nicht berücksichtigen.

Meiner Meinung nach sollte es innerhalb der portugiesischen Regierung auch eine(n) Rassismus-Beauftragte(n) geben, da Rassismus in Portugal leider immer noch ein ernsthaftes Problem ist, was u.a. mit der kolonialen Vergangenheit des Landes zusammenzuhängen scheint.

 

Von Cleo Tartin, Klasse 10


„Das Monokel“: Erste Hilfe

Eine Umfrage unter mehr als 50 Schüler*innen der DSL zeigt: Der Wunsch, in einer Notsituation helfen zu können, und die Kenntnisse in Erster Hilfe gehen weit auseinander.

 

Stell dir vor, jemand fällt in der Schule in Ohnmacht – und nur die Lehrer*innen können helfen. Ein seltsames Gefühl, oder?

Erste Hilfe: Jeder weiß, was es ist, aber nicht jeder weiß, was zu tun ist.

Uns wird erzählt, dass die Deutsche Schule Lissabon ein allgemeinbildendes Gymnasium ist, aber wie viel Allgemeinwissen wird uns hier überhaupt gelehrt?

Bei einer Umfrage in der Schule kam heraus, dass alle Befragten wissen, was Erste Hilfe ist, aber nur weniger als die Hälfte hatte richtiges Erste-Hilfe-Wissen. Ist das nicht gefährlich und auch etwas peinlich? Nicht unbedingt für die Befragten, aber auf jeden Fall für die Schule, so wie sie jetzt ist!

Unsere Schulzeit soll uns auf das Leben vorbereiten und auf die möglichen Hindernisse auf unserem Weg, und trotz alledem lernen wir hier nicht, wie man Herzdruckmassage oder Rettungsbeatmung macht.

Wenn wir einen Erste-Hilfe-Kurs machen wollen, müssen wir das privat machen – aber wäre es nicht eigentlich eine gute Idee, jedes Jahr einen Kurs in der Schule zu absolvieren?

Es muss auch nicht komplett am Stück sein, aber jedes Jahr lernt man etwas und dann im nächsten Jahr noch etwas mehr. Generell haben alle Lehrer*innen mindestens einmal einen professionellen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Müsste es dann nicht auch möglich sein, zwei Stunden im Jahr eine Art Erste-Hilfe-Unterricht zu haben?

Es gibt Drogenprävention, Sexualkunde und mit uns wird über Stress und Mental-Health geredet, aber wenn jemand in Ohnmacht fällt, können nur die Lehrer*innen oder die Krankenschwester helfen.

Sollte sich das nicht ändern?

 

Lotte

 


„Das Monokel“ – Die portugiesischen Neuwahlen 2022

Achtung:

Hier kommt die neue Schülerzeitung der DSL!

Zeitungsartikel sind oft lang und schwer zu verstehen, was uns junge Leute nicht gerade motiviert, sie zu lesen – und genau das wollen wir ändern.

Hoffentlich freut ihr euch auf unsere knapp gefassten und informierenden Artikel, die genau für Schüler*Innen geeignet sind!

 

Dies ist unser erster Beitrag: Die portugiesischen Neuwahlen 2022

 

Misslungene Fotos von grinsenden Politikern auf großen, bunten Plakaten, darauf verschiedene Sprüche, unendliche Reportagen im Fernsehen – so sah der Wahlkampf in den letzten Wochen aus. Die Legislativas 22 sind nun vorbei und endeten in einer absoluten Mehrheit für den amtierenden Ministerpräsidenten António Costa (PS).

Warum gab es eigentlich Neuwahlen?

Eigentlich hätten sie erst im Herbst 2023 stattfinden sollen, aber sie wurden aufgrund der Auflösung des Parlaments durch den Präsidenten vorgezogen.
Der Präsident löste das Parlament auf, da dieses sich nicht auf einen Haushaltsentwurf für das Jahr 2022 einigen konnte. Ein Haushaltsentwurf gibt vor wie viel Geld die Regierung für welche Bereiche pro Jahr ausgeben kann, man könnte sagen, dass es eine Art Budget ist.

Politische Analysten sprachen von einer möglichen Politischen Krise und weiteren Uneinigkeiten, sie hatten guten Grund für ihre Vermutungen, da Portugal eine turbulente Politische Vergangenheit besitzt. Ein Beispiel dafür ist, dass eine solche Situation schon öfters in der portugiesischen Geschichte vorkam.

Es kommt viel auf die neue Regierung zu, unter anderem die Verteilung von EU-Hilfsgeldern und die Entscheidung, ob der Mindestlohn erhöht werden soll oder nicht. Es wird vermutet, dass die Verabschiedung des neuen Haushaltsentwurfs bis April dauern wird.

Es besteht die Hoffnung, dass Costa zum Wohle der portugiesischen Bürger aus seinen vergangenen Fehlern gelernt hat und bereit ist, einen neuen politischen Kurs einzuschlagen.

 

Von Cleo Tartin


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