DSL

Interview mit Frank Sauer und Karin Schenner

Interview mit unserem neuen Grundschulleiter und unserer neuen Kindergartenleiterin:

Wo kommen Sie ursprünglich her? 

Schenner: Ich bin in Österreich aufgewachsen. Neben der Kindergartenpädagogik habe ich auch Kulturwissenschaften studiert. Da war schnell klar, dass es mich in die Ferne ziehen würde. Meine berufliche Heimat fand ich im Kindergarten- und Vorschulbereich Deutscher Auslandsschulen. 

Sauer: Aufgewachsen bin ich in Wörth am Rhein, in der Pfalz. In Karlsruhe, auf der anderen Rheinseite, habe ich an der Pädagogischen Hochschule studiert.

Wo haben Sie, vor Lissabon natürlich, am liebsten gelebt und warum? 

Sauer: Jeder Platz, an dem ich auf dieser Welt leben und arbeiten durfte, war für den jeweiligen Lebensabschnitt genau der richtige und damit mein Lieblingsort in dieser Zeit! Dazu zählen Buenos Aires (Argentinien), Tripolis (Libyen), Singapur und der Bodensee. Lissabon hat sich bereits einen Platz in meinem Herzen erobert! Ich lebe ausgesprochen gerne hier.

Schenner: Wenn ich meine Heimat Österreich mitzähle, ist Portugal das siebente Land, in dem ich lebe und arbeite. Schön war es überall und ich konnte jede Menge Erfahrungen sammeln, die ich nicht missen möchte. Besonders geprägt haben mich aber sicherlich zwei Länder: Kolumbien und Brasilien. Hier sind es vor allem auch die Menschen, denen ich begegnen durfte. Ohne sie alle wäre ich heute vermutlich nicht die, die ich bin. 

Stichwort internationaler Umzug in der Pandemie: Warum haben Sie sich für Lissabon entschieden? Haben Sie gezögert, ausgerechnet jetzt umzuziehen? 

Schenner: Lissabon und die DSL – das ist genau der Platz an dem ich sein möchte. Da gab es auch in Zeiten einer Pandemie keinen Anlass mit einem Umzug zu zögern. 

Sauer: Ja, ehrlich gesagt, ich habe gezögert. In Zeiten, in denen sich die meisten Menschen nach Normalität, Stabilität und Kontinuität sehnen, erschien es mir in manchen Momenten nicht angemessen und ratsam, das vertraute Leben einmal von innen nach außen zu krempeln. Zum Glück konnte ich mich über die zweifelnde innere Stimme hinwegsetzen, nicht zuletzt aufgrund der guten persönlichen Erfahrungen aus vorangegangenen Umzügen ins Ungewisse.

Man kann bei so einem Umzug nicht alles mitnehmen. Was musste bei Ihnen unbedingt dabei sein? 

Schenner: Ach, nichts Bestimmtes. Ein Umzug bietet immer die Chance gut auszusortieren und Platz für Neues zu schaffen. An materiellen Dingen hänge ich nicht. Denn was im Leben zählt, ist letztenendes nicht, was man alles hat, sondern wer man ist. 

Sauer: Meine Frau! Alles andere ist ersetzbar.

Beide von Ihnen waren schon früher an internationalen Begegnungsschulen. Was ist das besondere an solchen Schulen? 

Sauer: Ich kann diese Frage nur persönlich beantworten: Ich bin ein großer Fan der Deutschen Auslandsschulen. Sie haben mein berufliches Leben in über 20 Jahren stark beeinflusst und damit auch mein privates. Begegnungsschulen prägen die Lehrkräfte, welche das Glück haben, hier zu unterrichten. Es ist eine große Chance, in einem internationalen Umfeld zu arbeiten und von anderen Lehrkräften anderer Länder zu lernen. Ich habe Lehrkräfte an Deutschen Auslandsschulen immer als sehr engagiert erlebt. Begegnungsschulen prägen auch ganz besonders die Schülerinnen und Schüler. Sie sind für mich wie „kleine Botschafter“ und können anderen aus erster Hand vermitteln, wie das Leben in und mit einer anderen Kultur ist. Dadurch entstehen oftmals lebenslange (Ver-)Bindungen mit dem jeweiligen Land. Auch für mich.

Schenner: Für mich ist es die Möglichkeit meine beiden großen Interessensbereiche miteinander zu verbinden – zum einen die Arbeit mit Kindern und zum anderen das in einem interkulturellen Kontext tun zu dürfen. Auch schätze ich die positive Konnotation des interkulturellen, mehrsprachlichen Zusammenspiels. Ich habe immer den Eindruck, dass an internationalen Begegnungsschulen die jungen Heranwachsenden in verstärktem Maße zu einem global citizenship herangeführt werden und es begeistert mich davon ein Teil zu sein. 

Was macht Ihnen am meisten an der Arbeit mit Kindern Spaß? 

Schenner: Wer mit Kindern arbeitet, dem wird das Privileg zugeteil im Alltäglichen das Wunderbare zu entdecken. 

Sauer: Mit Kindern zu arbeiten, sie bei ihrer Entwicklung zu unterstützen und zu fördern ist doch einer der dankbarsten Tätigkeiten überhaupt. Und was erfüllt, macht Freude!

Herr Sauer, sie unterrichten am liebsten das Fach Kunst. Liegt das am Fach selbst, oder gibt es weitere Gründe?

Sauer: Das liegt am Fach selbst und an seinen Möglichkeiten. Die Beschäftigung mit Kunst ist eines meiner Hobbies. Fast alle Kinder lieben kreatives Schaffen. Hier kann sich jeder nach seinen Fähigkeiten einbringen, sich vertiefen, dabei wunderbar entspannen und doch etwas schaffen, auf das man stolz sein kann. Kunst ist neben Sport und Musik ein herrliches Pendant zu allem Kognitiven, das wir von den Kindern abverlangen. Deshalb können hier auch Kinder ihr Talent zeigen, die vielleicht im Mathe- oder Sprachunterricht nicht zu den Leistungsträgern zählen.  

Sie sind jetzt seit etwa einem Monat im Amt. Fühlen Sie sich in der Schule schon angekommen? 

Schenner: Irgendwie war man vom ersten Tag an schon mittendrin. Eine Kollegin meinte unlängst „es kommt mir so vor, als wärst du schon viel länger hier“. Auch für mich fühlte es sich so an und beide mussten wir lachen. Wer weiß, vielleicht schweißt es einen ja wirklich schneller zusammen, wenn man sich gemeinsam außergewöhnlichen Zeiten stellt. 

Sauer: Ja, weil ich mich vor allem sehr gut aufgenommen fühle. Dabei bin ich noch sehr weit davon entfernt, mich in dieser Schule mit zwei Standorten (und sehr unterschiedlichen Bedingungen und Bedürfnissen) gut auszukennen.

Was ist Ihr größtes Anliegen im ersten Jahr? 

Schenner: Gesund zu bleiben; und ein Fundament des Vertrauens aufzubauen. Es ist die Basis eines konstruktiven Miteinanders. Man muss wissen, dass man aufeinander zählen kann. 

Sauer: Privat wie beruflich: Lernen, lernen, lernen! Siehe letzte Antwort. Ich muss diese Organisation erstmal kennenlernen um sie zu verstehen. Ich bin kein Freund von blindem Aktionismus. Oder mit einem meiner Leitsätze gesprochen: Verändern ist einfach, im Verbessern liegt die Kunst! Wenn es mir gelingt, das Vertrauen unserer Kinder, Eltern und Lehrkräfte in unsere Schule zu festigen und zu stärken, dann ist im ersten Jahr schon sehr viel erreicht. Das ist die Basis für alles weitere.

Wir haben eine sehr aktive und mitwirkende Elternschaft. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit den Familien vor? 

Sauer: Ich wünsche mir, dass die Elternschaft weiterhin aktiv mitwirkt. Leider ist dies in der jetzigen Zeit sehr viel schwieriger geworden. Eltern dürfen nicht auf den Campus, es gibt wenig bis keine Gelegenheit zu echten Begegnungen. Deshalb ist eine offene und unmittelbare Kommunikation wichtig. Vielleicht trägt der wöchentliche Newsletter aus den Grundschulklassen an die Eltern ein Stück dazu bei. Ich wünsche mir sehr, dass unsere Schule bald wieder vollständig öffnet und wir nicht länger „mit angezogener Handbremse fahren“. Dazu gehört für mich, dass sich Eltern wieder am Schulleben beteiligen, wir gemeinsame Feste organisieren, unsere Gemeinschaft feiern und diese wunderbare Schule wieder mehr ist als die Summe unserer Unterrichtsstunden!

Schenner: Der Erziehungs- und Bildungsauftrag gestaltet sich für die Kinder vor allem dann erfolgreich, wenn sich Schule und Elternhaus als Partner begegnen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist mir hierbei wichtig, in der eine liebevolle und kompetente Begleitung der Kinder die gemeinsame Perspektive darstellt.

Vielen Dank, Frau Schenner und Herr Sauer!

 

Erstellt am 22 Okt 2020
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